Ehrlich gesagt hab ich mir da auch nie die Gedanken drüber gemacht. Aber wie gesagt: In letzter Zeit häufen sich die Fragen. Wobei meistens eher meine Freundin gefragt wird, als ich. Sie sagt zu dem Thema schon gar nicht mehr viel ausser: "Der nächste der die Frage stellt kriegt eins auf die Nuss!"
Die Antwort auf diese Frage finde ich relativ unspektakulär. Aber dennoch versuche ich mich daran: Ich kenne in meinem Freundeskreis keine - lesbische - Beziehung in der die Frage nach der Männerrolle irgendwie von Bedeutung wäre. Am ehesten bekommt man da noch zu hören: "Ich bin eine Frau die Frauen liebt." Damit ist diese
Interessanter wird es bei der Herkunft nach der Frage. Die besteht nämlich in der Unwissenheit über alles was hinterm Tellerrand ist. Die meisten Heterosexuellen (im weiteren einfach "Heten" gennant, weil kürzer) befassen sich nicht mit dem Thema. Ausser sie lernen zufällig jemanden kennen der Homo ist. Dann geht die Gehirnmaschine an und es wird alles dort verarbeitet was man in den Medien so zu Nicht-Hete erfahren hat. Dass es Lesben und Schwule, sowie Bisexuelle und Transsexuelle gibt. Das dabei nur Mist rauskommen kann, liegt geradezu auf der Hand. Denn die mediale Berichterstattung ist eher dürftig bis schlecht. Und wenn was interessantes kommt, dann in der Regel nach 23:00. Uhrzeiten in denen der Über-18-Content läuft. Und andere anstößige Sachen. Mit normalem Leben hat das in diesen Dokus/ Filmen meistens nichts zu tun.
Ich glaube, dass es dieses krasse Rollenverständnis überhaupt gar nicht mehr gibt in modernen Beziehungen. Egal ob Hete oder Homo. Früher war das so, da is der Mann aufs Feld/ den Bau/ die Arbeit halt und die Frau stand am Herd bei den Kindern. Heute gehen oft beide Partner arbeiten, beide kümmern sich um die Kinder und beide kochen. Wobei sicherlich in jeder Beziehung individuelle Schwerpunkte gesetzt werden. Der eine kocht halt öfter, während der andere mehr putzt, oder sowas.
In meiner Beziehung ist das ähnlich. Ich stehe nicht gerne in der Küche. Koche einfach nicht gerne. Meine Freundin macht das gerne. Also kocht sie. Ich wasch dann halt ab und mach andere Sachen.
Übrigends kenne ich diese Rollenaufteilung auch nicht von meinen Eltern. Meine Eltern waren beide Berufstätig. Mein Vater hat dann viel Nachtdienst gemacht, damit irgendwer noch tagsüber für uns Kinder da ist. Er hat sich also für die Schule fertig gemacht und meine Mutter war auch mittags häufig noch auf der Arbeit, wenn wir von der Schule kamen. Er hat abends häufig gekocht. Viel häufiger wie meine Mutter. Und ist er deswegen jetzt eine Frau!?
Was es allerdings wirklich gibt - in der Lesbenwelt - ist ein individuelles Gender-/ Rollenverständnis. Was aber nichts mit der Rolle in der Beziehung zu tun hat. Da gibts dann die Stempel Butch, Femme, Tomboy, Girlie. Aber das ist ein anderes Thema.
Also in einer Heten-Beziehung ist die Rollenfrage ja im Endeffekt durch die sekundären Geschlechtsmerkmale geklärt. Woraus sich aber eigentlich nicht die eigentliche Rolle in der Partnerschaft erklären lässt.
Die Frage ist also nicht wer der Mann ist. Sondern warum immer noch so sehr von Äußerlichkeiten auf Inneres und Soziales geschlossen wird?! Das ist doch blöd.
1 Kommentar:
"Ich glaube, dass es dieses krasse Rollenverständnis überhaupt gar nicht mehr gibt in modernen Beziehungen"
Dem muss ich heftig widersprechen!!! Ich habe eher den gegenteiligen Eindruck: Dieses Rollenverständnis wird Hetero-Beziehungen eher wieder stärker. Und finde gerade nicht die Studien dazu, aber spätestens nach dem ersten Kind, wird es selbst in "gleichberechtigten" Heten-Bezieungen wieder "traditionell" - verschleiert durch sachlogische Argumente bzw. natürlich auch gesellschaftlich so gewollt: Bei uns bleibt eben diejenige zuhause, deren Job weniger Kohle abwirft. Und das ist bei uns "ganz zufällig" die Susanne und eben nicht der Stefan, weil die Susanne eben "ganz zufällig" im sozialen Bereich arbeitet und nicht als Ingenierin wie er, und wo es eben auch "ganz zufällig" weniger zu verdienen gibt.
Er nimmt aber auch seine 2 Monate Väterurlaub, keine Sorge.
Da kann ich echt kotzen.
Ich würde mal eher die Gegenthese aufstellen:
"(Fast) nur in nicht-hetero(normativen) Beziehungen werden traditionelle Rollenverteilungen aufgebrochen"
Und weil "die Heten" es eben nicht anders kenne, auch wenn sie vielleicht irgendwo in ihrem Kopf sagen, es wäre schön, wenn es nicht so wäre, da fragen sie eben: Wie ist das bei euch? Wer ist der Mann? (Das kann doch nicht besser sein, als bei uns!)
Doch, sage ich. Ist es. Auch viel einfacher! Bätsch! Denn meine Freundin und ich müssen nicht erstmal die Wand aus dem Typischen und Normalen durchbrechen, sondern können uns gleich der Sache zuwenden: Wer steht total auf Hightech und kümmert sich um die Sachen? ? - Sie. Wer bohrt lieber Löcher in die Wand? - Ich. Wer kauft lieber ein? - Sie. Wer kocht lieber? - Ich.
Auch wenn das für viele Heten vielleicht schwer zu verstehen ist: Wir brauchen diese "typisch männlich" - "typisch weiblich" Einteilung nicht um unser Leben in den Griff bekommen zu können. Ja, das heißt, ihr müsst echt eure Rollenaufteilung nochmal ganz dolle hinterfragen. Es ist NICHT natürlich, dass ein Bündel von Eigenschaften und typischen Tätigkeiten zusammen gehört. Ihr dürft es euch selber zusammen suchen. Ja, das ist ein bisschen anstrengend und muss ausgehandelt werden, aber es ist auch total toll und bietet Freiheit. Ja, Cis-Männer, das heißt, dass ihr was von eurer Macht, die ihr immer noch habt, abgeben müsst.
Und nein, ihr könnt euch nicht mehr hinter sachlogischen Argumenten verstecken, warum das so sein MUSS, auch wenn ihr es euch ja eigentlich ganz anders wünscht. Es ist eure verf*** Entscheidung, dass sie die ersten Jahre zu Hause bleibt und dann nur noch Teilzeit arbeitet, während er die Kohle ranschafft. Und es ist immer noch eine gesellschaftliche Ungleichheit, die genau das fördert.
Ich würde mich freuen, deine Meinung oder die von anderen zu hören!
Liebe Grüße
Alexandra
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